Simon Inou, 37 Jahre alt, Enkel eines westafrikanischen Königs, derzeit anerkannter Konventionsflüchtling, ist immer dann zur Stelle, wenn Österreich um die Vielfalt seiner äußeren Erscheinung ringt. In der konservativen Tageszeitung “Die Presse” hat er eine wöchentliche Kolumne zum Thema Migration und interkulturelle Themen.

Wer sich in Österreich gegen Rassismus und Ausgrenzung engagiert, der braucht einen langen Atem. Das weiß auch Simon Inou. Seine Strategie gegen die alltägliche Ignoranz und Intoleranz heißt höfliche Beharrlichkeit – und unerschütterlicher Optimismus.

Sichtbarstes Ergebnis seiner Arbeit ist eine wöchentlich erscheinende Seite zum Thema Migration, die ausgerechnet in der Tageszeitung “Die Presse” erscheint, einem Blatt, das nicht gerade als linksliberal oder grün-alternativ gilt. “Entwerder hat man über uns MigrantInnen als Opfer berichtet oder als Täter”, so Simon Inou. “Und ich erinnere mich noch einmal daran, dass ich damals von vielen Journalisten kontaktiert worden bin in Wien, als sie gesagt haben, sie wollen mehr über die anderen berichten. Die anderen, das heißt diejenigen, die nicht als Opfer oder Täter erscheinen.”

Österreich: In Sachen Migration “Entwicklungsland”

“M. Media” heißt die von Inou gegründete Agentur. Journalisten und Journalistinnen aus 17 Ländern kommen hier zusammen, um die Arbeit zu koordinieren – aber auch, um sich beruflich fortzubilden. In Sachen “Medien und Migration”, so der Mann aus Afrika, sei Österreich ein “Entwicklungsland”. “Es gibt Bewegungen in diese Richtung”, sagt Inou. Aber Österreich sei so langsam, “man muss sich manchmal daran gewöhnen”.

An so manches musste sich der heute 37-Jährige gewöhnen, als er einst nach Österreich kam. Journalistisch hatte sich Inou schon in Kamerun betätigt. Als er bei einem Symposion in Graz allzu klare Worte über die Unterdrückung in seiner Heimat verlor, war klar: Eine Rückkehr wäre lebensgefährlich. Und so blieb er als Staatenloser, der nicht allen willkommen war und ist. “Meine Hautfarbe”, so Simon Inou, “ist mein Davidstern, das sage ich immer, weil ich das genau gemerkt habe und diese rechtsextremistischen Gedanken in den letzten Jahren sehr, sehr gestiegen sind. Man wird auch in den U-Bahnen angepöbelt, sogar ins Gesicht gespuckt. Es gibt so viele Sachen, die einfach stattfinden. Aber das passiert in einer Gesellschaft, in der wir von Demokratie reden und man muss auch die Meinung des anderen respektieren, nicht wahr?”

Mit Aktionen gängige Feindbilder hinterfragen

Ob Hetzparolen wie “Drogen-Nigger raus!” als “Meinungsäußerung” gelten können, sei dahin gestellt. Simon Inou jedenfalls will den öffentlichen Raum nicht dem alltäglichen Rassismus überlassen. Unter dem Titel “Black Austria” initiierte er T-Shirt- und Plakat-Aktionen, die gängige Feindbilder ironisch-provokant hinterfragen. “Wir glauben”, so sagt er, “nur, wenn wir Rassismus in der Sprache bekämpfen, können wir respektvoll miteinander reden.” Einem Begriff gilt Inous besondere Aufmerksamkeit: dem “M-Wort”, wie er es nennt. Es findet sich auf Ladenschildern, Bierflaschen und Speisekarten. Und eine bekannte Kaffeemarke wirbt nach wie vor mit dem kolonialistischen Klischee des “Mohren”.

“Es ist verletztend”, sagt Simon Inou, “weil man diese Bilder, die aus einer sehr traurigen Zeit für unsere Geschichte stammen, innerhalb der sogenannten industriellen Gesellschaft vermarktet und keinen Bezug zur Vergangenheit hat. Das ist schon problematisch, weil wir einfach Klischees wiederholen, ohne zu wissen, welche Folgen diese Klischees haben können.” Mit der ihm eigenen Beharrlichkeit kämpft Inou auch an der “Meinl-Mohren-Front”. Gemeinsam mit Gleichgesinnten hat er ein neues Firmen-Logo entworfen und auf der Straße verteilt – eine Aktion, der zumindest ein Teilerfolg beschieden war. “Wir können sehen, dass diese öffentliche Kritik dazu geführt hat, dass das traditionelle Logo von Meinl in Wien immer weniger wird”, so Inou. “Der Meinl am Graben hat jetzt nur ein goldenes Logo und das ist wichtig.”

“Mohr im Hemd”-Eis zurückgezogen

Ähnlich verhält es sich auch im Fall der Firma “Eskimo”, die im Sommer 2009 eine Eisversion der beliebten Mehlspeise “Mohr im Hemd” auf den Markt brachte. “Sie haben die Plakate entfernt, sie haben sich bei uns per E-Mail auch entschuldigt”, so Inou. “Das hat auch dazu geführt, dass sie gesagt haben, sie werden in der nächsten Marketing-Kampagne aufmerksamer sein und die Zielgruppen in ihre eigene Testphase mit einbeziehen.”

Der jüngste Streich von Inous “M.Media”, die auch eine eigene Messe für Migranten-Medien ins Leben gerufen hat ist ein “Interkultpreis für Pressefotografie”, der 2010 erstmals vergeben wird. Irgendwann, sagt der Mann mit “Migrations-Vordergrund”, wird er seinen grauen Staatenlosen-Pass gegen den dunkelroten, österreichischen tauschen. Dann, wenn er sich reif fühlt für dieses Land – und dieses Land reif ist für solche wie ihn.

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Ausgestrahlt am 14. Jänner 2010 – Quelltext: 3SAT

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3sat-Gegen die alltägliche Ignoranz