Das Kuratorium für Journalistenausbildung (KfJ) muss aktiv werden. In den letzten zehn Jahren haben die Themen Diversität, Migration und Integration in österreichischen Mainstream-Medien an Bedeutung zugenommen. Während sich Medienunternehmen zunehmend Gedanken darüber machen, wie sie Vielfalt in ihre Redaktionen bringen können, bleibt das KFJ – die Ausbildungsstätte par excellence – in diesem Bereich völlig inaktiv. Das muss sich jetzt ändern.

Das KFJ existiert seit 32 Jahren und organisiert jährlich rund 60 Seminare, Workshops und Lehrgänge. Die nähere Betrachtung von Jahresberichten der letzten zehn Jahre zeigt ein düsteres Bild: Seminare, Workshops und Lehrgänge zu den Themen Interkultureller Journalismus, Rassismus in der Berichterstattung, Diversity Reporting sucht man dort vergeblich. Immer mehr Journalisten und Journalistinnen berichten über das Thema Integration und Diversität.

Um objektiv darüber schreiben zu können, verlangt es nach nötigem Know-how. Doch dieses Know-how fehlt in vielen Redaktionen. Daher muss das KFJ sein gesamtes Programm radikal ändern, um es der gegenwärtigen Situation des Journalismus im 21. Jahrhundert anzupassen. Entscheidend dafür ist die Etablierung des Fachs „Interkulturelle Kompetenz“ (sprachliche Sensibilisierung, kulturelle Codes, usw.) als Handwerkszeug in der Journalistenausbildung des KFJ – nicht nur für angehende JournalistInnen, sondern auch für bereits aktive Redakteure und Redakteurinnen sowie Redaktionsleiter.“

Simon Inou, Geschäftsführer von M-MEDIA,  Diversity Mediawatch Austria

Erschienen am Dienstag, 27. April 2010, in Medianet

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Antwort von Elisabeth Wasserbauer (KfJ) auf den Leserbrief von Simon Inou

Das Kuratorium für Journalistenausbildung (KfJ) baut seine Arbeit in der journalistischen Aus- und Weiterbildung auf der Entwick- lungsfähigkeit des Menschen, auf Humanismus und dem Ehrenkodex der österreichischen Presse auf. Simon Inou hat recht, wenn er in seinem Leserbrief von Dienstag schreibt, dass es kein Seminar zum Thema ‚Interkulturelle Kompetenz‘ bei uns gibt. Er hat nicht recht, wenn er dem KfJ einen Mangel an Sensibilität für Vielfalt und Diversitätsthemen vorwirft. Diversität bedeutet respektvoll mit Menschen umzugehen – in der Gesellschaft, in der Berichterstattung und in der eigenen Redaktion.

Diese Haltung ist die Basis der KfJ-Veranstaltungen und nicht immer ihr expliziter Lehrinhalt. Im Österreichischen Journalisten-Kolleg sind Themen wie Ethik im Journalismus, Umgang mit Minderheiten, Darstellung von Menschen mit Behinderung, Sichtbarmachen von Frauen in der journalistischen Sprache selbst- verständlich Lehrinhalte und/oder
Diskussionsthema. Journalismus ist genaue Beobachtung, das Hinschauen auf gesellschaftliche Phänomene und Zusammenhänge. Diversität spielt hier eine Rolle, die in den
vergangenen Jahren erfreulicherweise vermehrt wahrgenommen worden ist. Mit seinem Aus- und Weiterbildungsangebot sorgt das KfJ weiterhin dafür, dass Journalismus gesellschaftliche Phänomene aufzeigt und hinterfragt. Denn nur so kann Journalismus die Verantwortung für die Gesellschaft tragen, die er mit Recht beansprucht.“

Elisabeth Wasserbauer, Geschäftsführerin des Kuratoriums für Journalistenausbildung

Erschienen am Dienstag, 4. Mai 2010, in Medianet