Politisch korrekte Berichterstattung über Afrika endet nicht bei offen rassistischen Begriffen. Wer zur Fußball-Weltmeisterschaft über Afrika schreibt, sollte einiges mehr beachten als die Vermeidung bestimmter Wörter. Besonders Stereotype oder eine folkloristische Betrachtungsweise sind Kennern der Materie ein Dorn im Auge.

In humoristischer Weise hat sich dieser Tage etwa der in Kenia geborene und in den USA lebende Schriftsteller Binyavanga Wainaina angenommen und eine “Gebrauchsanweisung” verfasst, “wie man über Afrika schreiben soll”. Doch Achtung: Wer die Empfehlungen eins zu eins umsetzt, findet sich garantiert in der Bredouille wieder. “Im Titel müssen Sie immer Afrika oder Finsternis oder Safari unterbringen”, schreibt Wainaina etwa ironisch. Wer wissen will, wie er es nicht macht, findet die deutsche Version in der April-Ausgabe des Magazins “Südwind”.

“Grundsätzlich gilt für Fußball-Berichterstattung nichts anderes als sonst auch”, sagt Sonja Fercher, Sprecherin der Anti-Rassismusstelle ZARA. “Folklore, Stereotype sind zu vermeiden. Rassismus sowieso. Wenn es nur auf das reduziert wird, ist es schlecht. In Österreich läuft ja auch nicht jeder im Dirndl herum.”

Konkrete Beispiele bringt der Kameruner Simon Inou: “In einem Radiofeature ging es um afrikanische Musik. Und was hörte man? Trommeln. Warum berichtet man nicht über Pianisten oder Geiger? Das ist so ein Symbol von Musik, die sich nicht entwickelt hat. Also: Berichte über afrikanische Musik ja, aber nicht nur Trommeln.” Das selbe gelte für die folkloristische Darstellung afrikanischer Kunst.

Das richtige Foto

Wainaina spricht in seiner ironischen Weise in diesem Zusammenhang auch die Bildberichterstattung an: “Wählen Sie für das Titelbild (und alle Abbildungen im Buch) niemals das Foto moderner AfrikanerInnen, es sei denn, sie oder er hat den Nobelpreis gewonnen. Eine Kalaschnikow, hervorstehende Rippen, nackte Brüste: Nehmen Sie so etwas. Wenn Sie unbedingt AfrikanerInnen im Bild betrachten, achten Sie darauf, dass sie in Massai-, Zulu- oder Dogon-Tracht daherkommen.”

Ein besonders wichtiger Hinweis: “Wenn man einen Bericht über einen Menschen aus Afrika schreibt, dann sollte man immer genau definieren, woher er kommt”, sagt Inou. Afrika ist ein Kontinent mit 53 Staaten. Inou ist zum Beispiel aus Kamerun. Ein Finne sei in der Berichterstattung auch in der Regel ein Finne und nicht nur ein Europäer. Außerdem sollte der Fokus nicht nur auf einen Aufenthaltsstatus, zum Beispiel auf Asylwerber gelegt werden, vor allem ohne dem Hintergrund, warum die betreffende Person aus ihrem Land geflüchtet ist. Der Journalist Inou, mittlerweile anerkannter Flüchtling und seit 1995 in Österreich, musste Kamerun verlassen, weil er Regimekritiker war.

Der Verzicht auf folkloristische Berichterstattung bezieht sich auch auf die Gastronomie. “Kein Wort über Reis, Rindfleisch und Weizen. Affenhirn ist die Leibspeise der AfrikanerInnen, außerdem Ziege, Schlange, Würmer und Maden und alle Arten von Wild”, schreibt Wainaina augenzwinkernd.

Inou brachte in diesem Zusammenhang das Beispiel eines besonders problematischen Vorfalls, im Vorjahr bei der Übertragung zum Wien-Marathon passiert und im ZARA-Rassismus-Report 2009 dokumentiert. Der Kommentator meinte über den kenianischen Sieger: “Als Preisgeld erhält er 15.000, dazu kommen noch Zeitgelder. Dann kann er sich zu Hause ein paar Bananen oder andere exotische Früchte mehr kaufen.” Laut ZARA wurde der Berichterstatter mit der Aussage konfrontiert. Er bedauerte diese zutiefst und betonte, dass ihm jede Form von Rassismus zuwider sei.

(APA)

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Quelle: relevant.at