Die Strategien rund um Öffentlichkeitsarbeit waren auch einer der Schwerpunkte der Podiumsdiskussion zum Thema „Das Verhältnis der KSA* zu Medien und Öffentlichkeit“. Das Podium war vielfältig zusammengesetzt: Irene Brickner, Chronikredakteurin und Menschenrechtsexpertin bei der Tageszeitung Der Standard, und der bei Ö1 tätige Kultur- und Sozialanthropologe Thomas Haunschmid sowie der Journalist und Soziologe Simon Inou berichteten von ihren Erfahrungen, sozusagen aus dem Kern der Medien. Werner Zips, außerordentlicher Professor am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie und Valentine Auer, KSA-Studierende und Redakteurin der Zeitschrift Paradigmata, brachten verschiedene Perspektiven innerhalb der Kultur- und Sozialanthropologie ein. Moderatorin war Heidi Weinhäupl, Lektorin und Teilnehmende Medienbeobachterin am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie.
Bereits bei der Frage, welches Bild der Kultur- und Sozialanthropologie in den Medien existiere, gingen die Meinungen auseinander. In Bezug auf eine in mehreren Medien publizierte Aussage, wonach Ethnologen das „Fluchtverhalten von Afrikanern“ untersuchen würden (so die rassistische Verteidigungsstrategie im Prozess gegen den Betreiber eines Asylheimes in Kärnten), vermutete Zips eine Verwechslung zwischen „Ethnologie“ und „Ethologie“ (Verhaltensforschung). Brickner hingegen betonte, dass häufig noch überkommene „Völkerkunde“-Vorstellungen in den Redaktionen existieren: „Das Bild der Kultur- und Sozialanthropologie in den Medien ist als solches nicht wirklich existent.“ Es gebe keine genaue Vorstellung darüber, wozu man einen Kultur- und Sozialanthropologen befragen könnte. Haunschmid und Auer forderten, dass das Institut stärker nach außen gehen solle – gerade dann, wenn die Disziplin so dargestellt werde, als ob sie rassistische Studien anfertigen würde. Man hätte beispielsweise mit einer Pressekonferenz reagieren sollen und die Gelegenheit nutzen, das eigene Image zurecht zu rücken.
Schließlich, betonte Inou, „passen auch Unternehmen heute ganz genau auf ihr Bild in der Öffentlichkeit auf.“ Der Journalist leitet den Verein M-Media, eine Selbstorganisation von MigrantInnen, die ihre Bilder in den Mainstream-Medien selbst gestalten wollen. In Kamerun hätte er die Kultur- und Sozialanthropologie als Teil des kolonialen Systems wahrgenommen, hier in Österreich jedoch gute Erfahrungen gemacht: Bei verschiedenen Aktionen hätten Studierende der KSA kritisches Denken gegen Unterdrückung und Engagement gezeigt. Er regte eine über den Anlassfall hinausgehende Medienarbeit des KSA-Institutes an, wobei er auf Aktion, nicht nur Reaktion setzen würde – beispielsweise könne man die Medienberichterstattung „scannen“ und ein Ranking veröffentlichen, um so Druck auf die Medien auszuüben, damit diese objektiver und vorurteilsfreier berichten.
In der Medienberichterstattung gebe es schließlich einiges zu verbessern – was auch eine gewisse Skepsis der Kultur- und SozialanthropologInnen den Medien gegenüber erklären könnte. So meinte Zips, der auch als Filmemacher tätig ist: „Ein Teil schwappt immer rüber ins Klischee.“ Man müsse in der eigenen Medienberichterstattung mit diesen Klischees spielen, sie quasi als Lockvogel gebrauchen, um sie dann gezielt durchbrechen zu können. Das könne auch schief gehen – wie eine Anmoderation eines Filmbeitrages von ihm gezeigt hatte, in der von „Buschmännern“ die Rede war.
Skeptisch gegenüber solchen Klischees zeigte sich Inou am Beispiel des derzeitigen Afrika-Schwerpunktes auf Ö1: „Trommeln, Tanz, immer die gleichen Klischees – warum kein afrikanisches Orchester?“ Dies habe er auch bereits im Kontakt mit Kulturveranstaltern angeregt und sei durchaus auf offene Ohren gestoßen. Haunschmid versprach, dies an seine Vorgesetzten weiterzuleiten. Generell aber, so der Ö1-Journalist, der auch Initiator des Medienbüros nameit ist, das zurzeit das Webjournal Kaptransmissions.org zur Fußball-WM produziert, würde vor allem in Boulevard-Medien verzerrt dargestellt. Die Standard-Journalistin Brickner machte auch darauf aufmerksam, dass Interviewte das Recht haben, sich ihre Zitate vor der Veröffentlichung zeigen zu lassen. Dafür müsse man aber auch das Zeitkorsett und die Verständlichkeit der Sprache beachten. Das Ergebnis sei „meistens ein Kompromiss aufgrund des journalistischen Zeitdrucks“.
Auer kritisierte das veränderte Wissenschaftsverständnis der Kultur- und Sozialanthropologie: Früher hätte es mehr Kontakt zu den Medien gegeben. Haunschmid schlug Lösungen vor: Newsletter, Pressekonferenzen, Kommuniqués oder ein Pressereferat wären sinnvoll. Das sah auch Zips nicht anders, fragte jedoch: „Wer soll das machen? Wir kriechen ja ohnehin schon am Boden.“ In Bezug auf die Suche nach AnsprechpartnerInnen seien auch die Medien in die Pflicht zu nehmen, die immer die gleichen ExpertInnen befragen. Er hätte vor kurzem mit einer Kollegin gesprochen, die in Somalia eine Feldforschung unternommen hatte. „Welcher Mensch weltweit hat so ein Wissen über Somalia?“ Statt dubioser Experten von Politbüros mit unklarem politischen bzw. wirtschaftlichen Hintergrund sollten hier lieber wirkliche ExpertInnen befragt werden, forderte Zips.
Brickner erklärte, dass die Medien Telefonnummern und konkrete AnsprechpartnerInnen für tagesaktuelle Themen bräuchten, gezielte Presseaussendungen würden ebenfalls helfen. All dies sei aber natürlich auch im Rahmen der „Krise des Wissenschaftsbetriebs“ zu sehen: Man brauche einfach finanzielle Mittel, um Medienarbeit zu leisten.
Diese seien derzeit nicht in Sicht, so Zips – und auch in der Beurteilung der Arbeit von WissenschafterInnen spiele es keine Rolle, ob Wissenschaft an die Öffentlichkeit kommuniziert wird: Symbolisches Kapital erwerbe man nur über die Publikation in Fachjournalen. Der Filmemacher und außerordentliche Professor des Instituts sah jede Wissenschafterin und jeden Wissenschafter selbst in der Verantwortung, ihre Medienkontakte Redaktion für Redaktion aufzubauen und zu pflegen. Das Institut selbst könne diesen Zeitaufwand nicht leisten – das sei auch Aufgabe der AbsolventInnen und Studierenden.
Dabei verwies er auch auf die Medieninitiativen des Institutes, die vor der Podiumsdiskussion vorgestellt worden waren: Die Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung, die Zeitschrift Paradigmata (hervorgegangen aus der Maske) sowie den Podcast Talking Anthropology (siehe unten). Hier widersprach Valentine Auer: „Die Studierenden können nicht alles machen!“ Auch sie würden bereits „am Boden kriechen“. Klar wurde, auch in der nachfolgenden Diskussion, dass das KSA-Institut Medien- und Öffentlichkeitsarbeit als durchaus wichtig ansieht – was auch die Schwerpunktsetzung über die sehr gut besuchte Podiumsdiskussion bewiesen hat. Doch von einer Institutionalisierung scheint man, angesichts von Personalknappheit und drückender Budgetnot, weit entfernt. (Heidi Weinhäupl)

Podiumsdiskussion: „Ein Teil schwappt immer rüber ins Klischee“
Die Strategien rund um Öffentlichkeitsarbeit waren auch einer der Schwerpunkte der Podiumsdiskussion zum Thema „Das Verhältnis der KSA zu Medien und Öffentlichkeit“. Das Podium war vielfältig zusammengesetzt: Irene Brickner, Chronikredakteurin und Menschenrechtsexpertin bei der Tageszeitung Der Standard, und der bei Ö1 tätige Kultur- und Sozialanthropologe Thomas Haunschmid sowie der Journalist und Soziologe Simon Inou berichteten von ihren Erfahrungen, sozusagen aus dem Kern der Medien. Werner Zips, außerordentlicher Professor am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie und Valentine Auer, KSA-Studierende und Redakteurin der Zeitschrift Paradigmata, brachten verschiedene Perspektiven innerhalb der Kultur- und Sozialanthropologie ein. Moderatorin war Heidi Weinhäupl, Lektorin und Teilnehmende Medienbeobachterin am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie.
Bereits bei der Frage, welches Bild der Kultur- und Sozialanthropologie in den Medien existiere, gingen die Meinungen auseinander. In Bezug auf eine in mehreren Medien publizierte Aussage, wonach Ethnologen das „Fluchtverhalten von Afrikanern“ untersuchen würden (so die rassistische Verteidigungsstrategie im Prozess gegen den Betreiber eines Asylheimes in Kärnten), vermutete Zips eine Verwechslung zwischen „Ethnologie“ und „Ethologie“ (Verhaltensforschung). Brickner hingegen betonte, dass häufig noch überkommene „Völkerkunde“-Vorstellungen in den Redaktionen existieren: „Das Bild der Kultur- und Sozialanthropologie in den Medien ist als solches nicht wirklich existent.“ Es gebe keine genaue Vorstellung darüber, wozu man einen Kultur- und Sozialanthropologen befragen könnte. Haunschmid und Auer forderten, dass das Institut stärker nach außen gehen solle – gerade dann, wenn die Disziplin so dargestellt werde, als ob sie rassistische Studien anfertigen würde. Man hätte beispielsweise mit einer Pressekonferenz reagieren sollen und die Gelegenheit nutzen, das eigene Image zurecht zu rücken.
Schließlich, betonte Inou, „passen auch Unternehmen heute ganz genau auf ihr Bild in der Öffentlichkeit auf.“ Der Journalist leitet den Verein M-Media, eine Selbstorganisation von MigrantInnen, die ihre Bilder in den Mainstream-Medien selbst gestalten wollen. In Kamerun hätte er die Kultur- und Sozialanthropologie als Teil des kolonialen Systems wahrgenommen, hier in Österreich jedoch gute Erfahrungen gemacht: Bei verschiedenen Aktionen hätten Studierende der KSA kritisches Denken gegen Unterdrückung und Engagement gezeigt. Er regte eine über den Anlassfall hinausgehende Medienarbeit des KSA-Institutes an, wobei er auf Aktion, nicht nur Reaktion setzen würde – beispielsweise könne man die Medienberichterstattung „scannen“ und ein Ranking veröffentlichen, um so Druck auf die Medien auszuüben, damit diese objektiver und vorurteilsfreier berichten.
In der Medienberichterstattung gebe es schließlich einiges zu verbessern – was auch eine gewisse Skepsis der Kultur- und SozialanthropologInnen den Medien gegenüber erklären könnte. So meinte Zips, der auch als Filmemacher tätig ist: „Ein Teil schwappt immer rüber ins Klischee.“ Man müsse in der eigenen Medienberichterstattung mit diesen Klischees spielen, sie quasi als Lockvogel gebrauchen, um sie dann gezielt durchbrechen zu können. Das könne auch schief gehen – wie eine Anmoderation eines Filmbeitrages von ihm gezeigt hatte, in der von „Buschmännern“ die Rede war.
Skeptisch gegenüber solchen Klischees zeigte sich Inou am Beispiel des derzeitigen Afrika-Schwerpunktes auf Ö1: „Trommeln, Tanz, immer die gleichen Klischees – warum kein afrikanisches Orchester?“ Dies habe er auch bereits im Kontakt mit Kulturveranstaltern angeregt und sei durchaus auf offene Ohren gestoßen. Haunschmid versprach, dies an seine Vorgesetzten weiterzuleiten. Generell aber, so der Ö1-Journalist, der auch Initiator des Medienbüros nameit ist, das zurzeit das Webjournal Kaptransmissions.org zur Fußball-WM produziert, würde vor allem in Boulevard-Medien verzerrt dargestellt. Die Standard-Journalistin Brickner machte auch darauf aufmerksam, dass Interviewte das Recht haben, sich ihre Zitate vor der Veröffentlichung zeigen zu lassen. Dafür müsse man aber auch das Zeitkorsett und die Verständlichkeit der Sprache beachten. Das Ergebnis sei „meistens ein Kompromiss aufgrund des journalistischen Zeitdrucks“.
Auer kritisierte das veränderte Wissenschaftsverständnis der Kultur- und Sozialanthropologie: Früher hätte es mehr Kontakt zu den Medien gegeben. Haunschmid schlug Lösungen vor: Newsletter, Pressekonferenzen, Kommuniqués oder ein Pressereferat wären sinnvoll. Das sah auch Zips nicht anders, fragte jedoch: „Wer soll das machen? Wir kriechen ja ohnehin schon am Boden.“ In Bezug auf die Suche nach AnsprechpartnerInnen seien auch die Medien in die Pflicht zu nehmen, die immer die gleichen ExpertInnen befragen. Er hätte vor kurzem mit einer Kollegin gesprochen, die in Somalia eine Feldforschung unternommen hatte. „Welcher Mensch weltweit hat so ein Wissen über Somalia?“ Statt dubioser Experten von Politbüros mit unklarem politischen bzw. wirtschaftlichen Hintergrund sollten hier lieber wirkliche ExpertInnen befragt werden, forderte Zips.
Brickner erklärte, dass die Medien Telefonnummern und konkrete AnsprechpartnerInnen für tagesaktuelle Themen bräuchten, gezielte Presseaussendungen würden ebenfalls helfen. All dies sei aber natürlich auch im Rahmen der „Krise des Wissenschaftsbetriebs“ zu sehen: Man brauche einfach finanzielle Mittel, um Medienarbeit zu leisten.
Diese seien derzeit nicht in Sicht, so Zips – und auch in der Beurteilung der Arbeit von WissenschafterInnen spiele es keine Rolle, ob Wissenschaft an die Öffentlichkeit kommuniziert wird: Symbolisches Kapital erwerbe man nur über die Publikation in Fachjournalen. Der Filmemacher und außerordentliche Professor des Instituts sah jede Wissenschafterin und jeden Wissenschafter selbst in der Verantwortung, ihre Medienkontakte Redaktion für Redaktion aufzubauen und zu pflegen. Das Institut selbst könne diesen Zeitaufwand nicht leisten – das sei auch Aufgabe der AbsolventInnen und Studierenden.
Dabei verwies er auch auf die Medieninitiativen des Institutes, die vor der Podiumsdiskussion vorgestellt worden waren: Die Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung, die Zeitschrift Paradigmata (hervorgegangen aus der Maske) sowie den Podcast Talking Anthropology (siehe unten). Hier widersprach Valentine Auer: „Die Studierenden können nicht alles machen!“ Auch sie würden bereits „am Boden kriechen“. Klar wurde, auch in der nachfolgenden Diskussion, dass das KSA-Institut Medien- und Öffentlichkeitsarbeit als durchaus wichtig ansieht – was auch die Schwerpunktsetzung über die sehr gut besuchte Podiumsdiskussion bewiesen hat. Doch von einer Institutionalisierung scheint man, angesichts von Personalknappheit und drückender Budgetnot, weit entfernt. (Heidi Weinhäupl)

* KSA: Kultur und Sozialanthopologie

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Quelle: Teilnehmende Medienbeobachtung – Kultur und Sozialanthropologie, Universität Wien