Am 25. November wurde in Wien die erste Rot-Grüne Regierung eines österreichischen Bundeslandes angelobt. In dem rot-grünen Regierungsabkommen “Gemeinsame Wege für Wien” wird auf Seite 38 auf das Thema Diversität und Integration eingegangen. Ein wichtiger Bestandteil dieses Kapitels ist die Formulierung einer “Wiener Charta des Zusammenlebens”.

Eine solche Charta, die es zum Beispiel in Bologna (Italien) schon gibt, soll Spielregeln für ein gutes Zusammenleben zwischen ansässigen Wienern und neu Zugewanderten festlegen. Die Charta existiert noch nicht und wird demnächst ausgearbeitet. Hier unsere Vorschläge an Rot/Grün, damit das Zusammenleben in Wien funktioniert:

1. Bekämpfung von Rassismen und Fremdenfeindlichkeit als oberste Priorität: Im Wien des 21. Jahrhunderts gibt es noch Orte zu denen man aufgrund der Hautfarbe keinen Zugang bekommt. Orte, an denen bestimmte Menschen nicht essen, nicht tanzen, nicht wohnen dürfen. Das widerspricht der so gern proklamierten Weltoffenheit Wiens. Antirassistische NGOs und Initiativen zeigen es jedes Jahr in verschiedenen Berichten: Rassismus ist Alltag.

2. MigrantInnen sollen sichtbar gemacht werden: Sie putzen, arbeiten an unsichtbaren Stellen vieler Firmen (Keller, Küche, Bau,). Sie sorgen dafür, dass wenn wir morgens in unser Büro kommen, alles glänzt. Unter ihnen sind viele höher Gebildete. Realitäten wie diese sollten zur Vergangenheit gehören. Für Wien ist die Zeit reif, Farbe zu bekennen. Nicht nur im öffentlichen Dienst sollten Menschen mit Migrationshintergrund an sichtbaren Stellen beschäftigt werden. Auch in allen verbreiteten Werbemitteln der Stadt – in Zeitungsinseraten, auf Plakaten, in TV-Spots – sollten Migranten verstärkt sichtbar werden.

3. Mehrsprachigkeit und Ganztagschulen: Wir sollten uns von der Illusion befreien, dass “Migrantenkinder” das Schulproblem Wiens sind. Mangelnde Chancengleichheit und mehrwertige Förderungen für alle Kinder und Jugendlichen nach ihren jeweiligen Bedürfnissen sind das Bildungsproblem in Wien. Die Ausbildung der LehrerInnen soll mehrsprachig gestaltet werden.

4- Wien braucht eine Vertretung für alle MigrantInnen der Stadt: Am 12. Dezember 2008 teilten die IntegrationssprecherInnen der Wiener Parteien SPÖ, ÖVP und Grüne via Presseaussendung mit, dass sie mit der Einstellung der Förderung für das Vernetzungsbüro der Wiener Integrationskonferenz (WIK) durch die Magistratsabteilung 17 einverstanden seien. Die Wiener Integrationskonferenz (WIK) war ein Dachverband aller Migrantenvereine in Wien und diente als Plattform zwischen Politik, Verwaltung und Communities. Nach den Wahlen am 25. Oktober 2008 gestaltete sich die Kommunikation unter den Mitgliedervereinen schwer. Dies führte dazu, dass mehrere Vereinsmitglieder sich von WIK abgewendet haben. MigrantInnen in Wien sind ohne Vertretung – das muss sich ändern.

(derStandard.at, 19.1.2011)

SIMON INOU

ist Geschäftsführer von M-MEDIA.

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Der Text ist im Diplomaten-Magazin Society.at erschienen.

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Quelle: derStandard.at